Kurz gesagt
Meist ja. Ein Balkonkraftwerk mit 800 Wp nach Süden am Geländer (90°) erzeugt in Berlin etwa 602 kWh im Jahr. Bei 3.500 kWh Verbrauch nutzen Sie davon rund 380 kWh selbst (63 %). Bei 37,3 ct/kWh sparen Sie so etwa 142 € im Jahr, und bei 400 € Kaufpreis ist die Anlage nach 2,8 Jahren bezahlt. Ein Speicher (2 kWh, 850 €) lohnt sich bei dieser kleinen Anlage nicht: In 20 Jahren spart er weniger, als er kostet.
So rechnet der Rechner
- Ertrag: PVGIS, der Solarrechner der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der EU-Kommission, Datenbank PVGIS-SARAH3, Mittel 2005–2023, mit 14 % Systemverlusten (Kabel, Wechselrichter, Schmutz).
- Stunde für Stunde: Je Monat rechnen wir mit vier typischen Tagen (von trüb bis sonnig) und kappen jede Stunde an der Grenze des Wechselrichters. Was darüber liegt, geht verloren. Bei 2000 Wp an 800 W ist das ein großer Posten. Kurze Leistungsspitzen innerhalb einer Stunde sind nicht abgebildet; der Verlust durch die 800-W-Grenze kann deshalb etwas höher sein.
- Verbrauch: Das Standardlastprofil H25 des BDEW (2025) gibt vor, wie sich Ihr Jahresverbrauch auf Monate und Stunden verteilt. Innerhalb jeder Stunde läuft eine Grundlast, dazu kommen kurze Spitzen (Wasserkocher, Waschmaschine). Deshalb landet nicht jede Kilowattstunde vom Balkon im eigenen Verbrauch.
- Grundlast: Ohne eigene Angabe setzen wir 80 W an. Diese Annahme und die Spitzen haben wir so eingestellt, dass der Rechner unter gleichen Bedingungen auf ähnliche Eigenverbrauchsanteile kommt wie zwei veröffentlichte Beispielrechnungen des britischen Energieministeriums (62 % bei 30° Süd und 72 % bei 90° Ost/West) und die Verbraucherzentrale (rund 70 % für ein Modul am Südbalkon). Kennen Sie Ihre Grundlast, tragen Sie sie ein: Ein digitaler Zähler zeigt nachts die aktuelle Leistung in W.
- Ersparnis: Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart den Arbeitspreis. Eingespeister Strom bringt bei Steckersolargeräten in der Regel nichts. Die Module verlieren 0,5 % Leistung pro Jahr. Nach 15 Jahren rechnen wir einen neuen Wechselrichter ein, einen Speicher ersetzen wir nach seiner Lebensdauer. Beides setzen wir mit 75 % des heutigen Preises an, wie HTW Berlin.
- Speicher: Er wird mit Überschuss geladen und deckt in Stunden ohne Überschuss Ihren Bedarf, begrenzt durch seine Leistung, den Wirkungsgrad (Vorgabe 82,5 %, wie HTW Berlin) und die 800-W-Grenze, die für Module und Speicher zusammen gilt. Ein DC-Speicher (zwischen Modulen und Wechselrichter) kann auch Strom aufnehmen, den die 800-W-Grenze sonst abschneiden würde. Der Rechner nimmt an, dass der Speicher in Stunden ohne Überschuss Ihren Bedarf genau deckt, und rechnet ohne Stand-by-Verbrauch. Echte Speicher schaffen das nicht ganz; Stiftung Warentest fand Geräte, die weniger Strom lieferten als angegeben. Das Ergebnis ist deshalb eher eine Obergrenze.
- Urteil im Ergebnis: Bezahlt in höchstens 10 Jahren heißt „lohnt sich“, später, aber innerhalb des Betrachtungszeitraums „lohnt sich knapp“, sonst „lohnt sich nicht“. Die Schwelle von 10 Jahren ist unsere Annahme. Beim Speicher zählt, ob Sie nach 20 Jahren unterm Strich mehr haben als ohne.
- Genauigkeit: Der Jahresertrag ist ein langjähriges Mittel: Einzelne Jahre weichen ab. Den Eigenverbrauch schätzen wir aus einem Standardprofil, Ihr eigener Haushalt kann deutlich davon abweichen. Die größten Unsicherheiten sind Verschattung und Ihr Verbrauch tagsüber.
Balkonkraftwerk-Ertrag: Tabelle nach Stadt und Ausrichtung
Jahresertrag von 800 Wp in kWh, PVGIS-Mittel 2005–2023, ohne Verschattung und vor der 800-W-Grenze, deshalb ein paar kWh mehr als im Rechner oben.
| Stadt | Süden 90° | Südost 90° | Ost/West 90° | Süden 35° | Flach |
|---|---|---|---|---|---|
| Berlin | 605 | 570 | 418 | 839 | 696 |
| Hamburg | 565 | 533 | 395 | 782 | 652 |
| München | 650 | 599 | 445 | 911 | 758 |
| Köln | 599 | 563 | 414 | 834 | 695 |
| Frankfurt am Main | 609 | 578 | 433 | 864 | 729 |
| Stuttgart | 643 | 603 | 446 | 905 | 756 |
| Leipzig | 620 | 578 | 425 | 862 | 716 |
| Dresden | 619 | 577 | 423 | 856 | 710 |
| Hannover | 583 | 546 | 405 | 809 | 675 |
| Nürnberg | 602 | 573 | 433 | 856 | 726 |
| Freiburg im Breisgau | 627 | 581 | 427 | 887 | 745 |
| Kiel | 570 | 534 | 402 | 790 | 658 |
2000 Wp an 800 W: Was bringt das?
Mehr Module bringen auch hinter einem 800-W-Wechselrichter mehr Strom, vor allem morgens, abends und an trüben Tagen. In Berlin, Süden, 90°, erzeugen 800 Wp rund 602 kWh und 2000 Wp rund 1.329 kWh im Jahr (etwa fünf Module; das passt selten ans Geländer, eher an Wand, Garten oder Flachdach). Dabei kappt die Grenze 177 kWh (12 % des Modulertrags).
Die Ersparnis steigt dadurch von 142 € auf 235 € im Jahr (3.500 kWh Verbrauch). Sie steigt weniger als der Ertrag, weil mittags mehr Strom ungenutzt ins Netz geht. Für fünf Module setzt der Rechner 850 € an (Schätzung nach Verbraucherzentrale: je zwei weitere Module meist 100 bis 200 € Aufpreis, dazu die Halterung); damit ist die Anlage nach 3,6 Jahren bezahlt.
Aber: Ab 960 Watt Modulleistung ist laut Norm (DIN VDE V 0126-95) der Schukostecker nicht mehr zulässig. Dann braucht es eine Einspeisesteckdose (Wieland), die eine Elektrofachkraft setzt (Verbraucherzentrale). Rechnen Sie diese Kosten in den Kaufpreis ein; der Rechner kennt sie nicht.
Mit Speicher: Wann lohnt er sich?
Beispiel: In München hängen 2000 Wp halb nach Osten und halb nach Westen am Geländer, dazu kommt ein Speicher mit 2 kWh für 850 €. Der Speicher erhöht den Eigenverbrauch um 372 kWh im Jahr und spart damit 139 € zusätzlich. Allein betrachtet amortisiert er sich nach 6,2 Jahren. Je Kilowattstunde, die er Ihnen zusätzlich liefert, kostet er 22,8 ct, gerechnet über 10 Jahre.
Bei einer kleinen Anlage sieht es anders aus: Mit 800 Wp nach Süden am Geländer in Berlin bringt derselbe Speicher nur 183 kWh im Jahr (68 € pro Jahr). Er amortisiert sich damit nicht innerhalb von 20 Jahren (gerechnet mit einem Ersatz nach 10 Jahren).
Ein Speicher lohnt sich also vor allem dann, wenn sonst viel Strom ohne Vergütung ins Netz ginge: bei großen Modulflächen oder wenn tagsüber niemand zu Hause ist. Die Verbraucherzentrale nennt außerdem einen hohen Stromverbrauch. Die getesteten 2-kWh-Speicher kosten laut Stiftung Warentest rund 700 bis 1.000 €.
Der Rechner nimmt an, dass der Speicher in Stunden ohne Überschuss Ihren Bedarf genau deckt, und rechnet ohne Stand-by-Verbrauch. Echte Speicher schaffen das nicht ganz; Stiftung Warentest fand Geräte, die weniger Strom lieferten als angegeben. Das Ergebnis ist deshalb eher eine Obergrenze. Probieren Sie es im Rechner mit Ihren Werten aus.
Was erlaubt ist
- Anschluss: Stecken Sie das Gerät direkt in eine fest installierte Steckdose, immer nur ein Gerät je Steckdose. Eine Mehrfachsteckdose ist laut Verbraucherzentrale gefährlich und nach der Norm nicht gestattet.
- Schuko oder Wieland: Bis 960 Watt Modulleistung ist nach der Norm DIN VDE V 0126-95 (seit 1. Dezember 2025, für Geräte ohne Speicher) der Schukostecker zulässig. Größere Geräte brauchen eine Einspeisesteckdose (Wieland), die eine Elektrofachkraft einbaut (Verbraucherzentrale).
- 800 VA und 2000 Wp: Die Erleichterungen für Steckersolargeräte gelten für insgesamt bis zu 2 Kilowatt Modulleistung und 800 Voltampere Wechselrichterleistung, gezählt für alle Geräte hinter einem Zähler (EEG § 8 Abs. 5a). Für größere Anlagen gelten diese Erleichterungen nicht, sondern die Regeln für normale PV-Anlagen, die laut Verbraucherzentrale ein Fachbetrieb installiert und beim Netzbetreiber anmeldet.
- Anmeldung: Nur im Marktstammdatenregister. Eine zusätzliche Meldung beim Netzbetreiber darf für das Steckersolargerät nicht verlangt werden (EEG § 8 Abs. 5a). Für einen Speicher gelten laut Verbraucherzentrale die Regeln anderer Batteriespeicher: Eintrag im Marktstammdatenregister und Meldung beim Netzbetreiber, auf die manche Netzbetreiber verzichten.
- Einspeisung: Ohne andere Wahl gilt die „unentgeltliche Abnahme“: Für eingespeisten Strom gibt es kein Geld (EEG § 21c Abs. 1). Die Erleichterungen nach § 8 Abs. 5a gelten nur für Geräte in der unentgeltlichen Abnahme.
- Alter Zähler: Das Gerät darf schon vor dem Einbau eines Zweirichtungszählers am vorhandenen Zähler betrieben werden (EEG § 10a Abs. 3; das gilt für Geräte, die ab dem 16. Mai 2024 in Betrieb gegangen sind, § 100 Abs. 23). Läuft ein alter Drehscheibenzähler dabei rückwärts, wird das bis zum Tausch geduldet; den Zähler tauscht der Messstellenbetreiber kostenlos (Verbraucherzentrale). Der Rechner zählt nur den Eigenverbrauch.
- Mietwohnung: Wer die Module außen anbringt, etwa an der Balkonbrüstung oder der Hauswand, braucht laut Verbraucherzentrale die Zustimmung von Vermieter oder Eigentümergemeinschaft. Seit Oktober 2024 dürfen diese nur ablehnen, wenn die Installation für sie unzumutbar wäre.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?
In den meisten Fällen ja. In Berlin spart ein 800-Wp-Gerät nach Süden am Geländer bei 37,3 ct/kWh etwa 142 € im Jahr und ist bei 400 € nach 2,8 Jahren bezahlt. Mit Ost- oder Westausrichtung, Schatten oder niedrigem Verbrauch dauert es länger.
Was kostet ein Balkonkraftwerk?
Ein Set mit zwei Modulen kostet laut Verbraucherzentrale (Juli 2026) etwa 200 bis 300 €, mit Halterung rund 300 € bis 500 €. Je zwei weitere Module kommen meist 100 bis 200 € dazu, plus Halterung, ab 960 Wp außerdem die Einspeisesteckdose vom Elektriker. Tragen Sie im Rechner Ihren eigenen Preis ein.
Was bringt ein Balkonkraftwerk?
In Berlin erzeugen 800 Wp nach Süden am Geländer rund 602 kWh im Jahr. Davon nutzen Sie bei 3.500 kWh Verbrauch etwa 380 kWh selbst; das spart bei 37,3 ct/kWh rund 142 € im Jahr. Mit 35° Neigung ist es spürbar mehr, nach Osten oder Westen deutlich weniger.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk mit Speicher?
Bei großen Anlagen kann er sich lohnen, bei kleinen kaum. Mit 2000 Wp Ost/West in München rechnet sich ein 2-kWh-Speicher für 850 € in unserem Beispiel nach 6,2 Jahren; mit 800 Wp nach Süden in Berlin nicht innerhalb von 20 Jahren. Entscheidend ist, wie viel Strom sonst ungenutzt ins Netz ginge. Das Ergebnis ist eher eine Obergrenze.
Darf ich 2000 Wp an einen 800-W-Wechselrichter anschließen?
Ja, nach dem EEG sind bis zu 2 Kilowatt Modulleistung bei höchstens 800 Voltampere Wechselrichterleistung erlaubt. Was die Module darüber hinaus liefern, schneidet der Wechselrichter ab. Aber: Ab 960 Watt Modulleistung ist laut Norm (DIN VDE V 0126-95) der Schukostecker nicht mehr zulässig; dann braucht es eine Einspeisesteckdose (Wieland), die eine Elektrofachkraft setzt (Verbraucherzentrale). Rechnen Sie diese Kosten in den Kaufpreis ein.
Quellen
- PVGIS 5.3, Gemeinsame Forschungsstelle (JRC) der EU-Kommission
- BDEW, Standardlastprofile Strom (H25, 2025)
- BDEW-Strompreisanalyse Oktober 2026
- EEG 2023, § 8 (Steckersolargeräte)
- EEG 2023, § 10a (Übergangsregelung für Steckersolargeräte)
- EEG 2023, § 21c (Zuordnung; unentgeltliche Abnahme als Vorgabe)
- EEG 2023, § 100 (Übergangsbestimmungen, Abs. 23)
- Verbraucherzentrale: Steckersolar (Stand 24.07.2026)
- Stiftung Warentest: Speicher für Balkonkraftwerke (19.03.2026)
- HTW Berlin: Stecker-Solar-Simulator, Berechnungsgrundlagen (2024)
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik (20.08.2026)
- DESNZ: Plug-in solar, final-stage impact assessment (2026)
- GeoNames (CC BY 4.0): Postleitzahlen und Städte